Der Ford Focus Mk2 gehört zweifellos zu den Autos, die die Kompaktklasse nachhaltig geprägt haben. Als Nachfolger des bahnbrechenden ersten Focus (1998–2004) erschien die zweite Generation im Herbst 2004 und blieb bis Frühjahr 2011 im Programm – in manchen Märkten sogar noch länger. Wer heute einen gut gepflegten Ford Focus Mk2 fährt oder sucht, bekommt ein Auto, das Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und ein erstaunlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis vereint. In diesem ausführlichen Artikel tauchen wir tief in die Welt des Focus der zweiten Generation ein – von Design über Technik bis zu Typischen Schwachstellen und Tuning-Möglichkeiten.
Design und Karosserieformen – Frisch, dynamisch und zeitlos gut
Als der Ford Focus Mk2 2004 vorgestellt wurde, schlug er optisch eine ganz neue Richtung ein. Weg vom radikalen „New Edge“-Design des Vorgängers, hin zur „Kinetic Design“-Philosophie, die Ford damals einführte. Scharfe Linien, muskulöse Kotflügel und die markante, leicht nach oben gezogene Schulterlinie machen ihn auch 20 Jahre später noch attraktiv.
Verfügbar war der Ford Focus Mk2 in gleich fünf Karosserievarianten:
- 3-türiger Hatchback – der Sportlichste
- 5-türiger Hatchback – der Alleskönner
- 4-türige Stufenheck-Limousine – besonders beliebt in Osteuropa und der Türkei
- 5-türiger Kombi („Turnier“) – der praktische Familienheld
- Cabrio mit elektrisch versenkbarem Hardtop (ab 2006, Pininfarina-Bau)
Besonders der Kombi und das Cabrio mit dem klappbaren Blechdach (CC = Coupé-Cabriolet) sorgten damals für Aufsehen – Konkurrenz wie VW Golf Variant oder Renault Mégane CC wirkten dagegen fast konservativ.

Innenraum und Ausstattung – Überraschend hochwertig für die Klasse
Wer sich heute in einen gepflegten Ford Focus Mk2 setzt, staunt oft: Das Cockpit wirkt auch 2025 noch modern. Die Materialien im oberen Bereich sind weich und griffig, die Verarbeitung war für Ford-Verhältnisse damals Spitzenklasse. Ab Facelift 2008 („Mk2.5“) wurde das Armaturenbrett nochmals deutlich aufgewertet – mit hochwertigeren Kunststoffen und dem ersten großen Farbdisplay im Kombiinstrument (bei Titanium und höher).
Wichtige Ausstattungshighlights je nach Baujahr und Linie:
- Klimaanlage (manuell oder 2-Zonen-Automatik)
- Sitzheizung und beheizbare Frontscheibe („Quickclear“ – ein Traum im Winter!)
- Sony-Soundsystem mit 8 Lautsprechern und Subwoofer
- Xenon-Kurvenlicht (sehr selten, aber genial)
- Keyless-Go und Startknopf (ab 2007 möglich)
- Glasdach oder Panorama-Glasdach im Kombi
Platzangebot? Vorne hervorragend, hinten solide – für vier Erwachsene plus Gepäck reicht es locker, besonders im Turnier (bis 1.525 Liter Kofferraum).
Motorenpalette – Von sparsam bis brutal
Der Ford Focus Mk2 bot eine riesige Motorenauswahl – Benzin, Diesel, sogar Autogas und Flexfuel-Versionen. Hier die wichtigsten Aggregate im Überblick:
| Motor | Hubraum | Leistung | Besonderheit | Verbrauch (real) |
|---|---|---|---|---|
| 1.4 Duratec | 1.388 cm³ | 80 PS | Sehr zuverlässig, aber lahm | ca. 7,0–8,0 l/100 km |
| 1.6 Duratec | 1.596 cm³ | 100 / 115 PS | Der meistverkaufte Benziner | ca. 7,5–9,0 l |
| 1.6 Ti-VCT | 1.596 cm³ | 115 PS | Variable Ventilsteuerung | ca. 7,5 l |
| 2.0 Duratec | 1.999 cm³ | 145 PS | Schöner Durchzug | ca. 8,5–10 l |
| 2.5 Duratec ST/RS | 2.522 cm³ | 225 / 305 PS | 5-Zylinder-Turbo-Sound! | 10–14 l |
| 1.6 TDCi | 1.560 cm³ | 90 / 109 / 110 PS | PSA-Motor, sparsam | ca. 5,5–7,0 l |
| 1.8 TDCi | 1.753 cm³ | 115 PS | Ford-eigener Diesel | ca. 6,0–7,5 l |
| 2.0 TDCi | 1.997 cm³ | 136 PS | Der beste Diesel-Kompromiss | ca. 6,5–8,0 l |
Der absolute Star bleibt der 2.5-Liter-Fünfzylinder-Turbo im ST (225 PS) und RS (305 PS, ab 2009). Der Klang? Gänsehaut pur – wie ein kleiner Rallye-WRC.

Fahrwerk und Fahreigenschaften – Immer noch Maßstab
Hier liegt die große Stärke des Ford Focus Mk2: Das Fahrwerk ist einfach brillant. Schon die Basisversionen mit „Control Blade“-Hinterachse (Multilenker) lenken präzise und vermitteln direktes Feedback. Sportfahrwerke im ST und RS heben das Ganze auf ein Niveau, das selbst viele neuere Kompakte nicht erreichen.
„Kinetic Design“ war nicht nur Marketing – der Focus fühlt sich lebendig an, bleibt aber jederzeit beherrschbar. ESP war ab 2006 Serie, und die Bremsen packen ordentlich zu.
Typische Schwachstellen – Ehrlich betrachtet
Kein Auto ist perfekt, auch der Ford Focus Mk2 nicht. Wer einen kaufen möchte, sollte folgende Punkte prüfen:
- Rost: Radläufe hinten und Unterboden (besonders bei frühen Baujahren bis 2007)
- Türschlösser und Heckklappenschloss (elektronische Probleme)
- 1.6 TDCi: Zweimassenschwungrad und Einspritzdüsen können teuer werden
- Getriebe MMT6 (beim 2.0 TDCi): Synchronringe verschleißen
- Klimaanlage-Kondensator (korrodiert oft)
- Traggelenke und Spurstangenköpfe (vorne relativ verschleißanfällig)
Trotzdem: Wer regelmäßig wartet und einen guten findet, hat jahrelang Freude – viele Exemplare laufen problemlos über 300.000 km.
Facelift 2008 – Der „Mk2.5“ wird noch schöner
Anfang 2008 kam das große Facelift – optisch an Front und Heck deutlich erkennbar:
- Neue Scheinwerfer und Rückleuchten
- Größerer Kühlergrill (ähnlich dem damaligen Mondeo)
- Verbesserte Innenraum-Materialien
- Neues Lenkrad und bessere Bedienung
- Start-Stopp-System und Schaltpunktanzeige (bei manchen Motoren)
Viele Liebhaber finden den Ford Focus Mk2 Facelift (2008–2011) optisch gelungener als das Vorserienmodell.
Tuning und Szene – Immer noch quicklebendig
Die Ford Focus Mk2-Szene ist riesig. Ob Tieferlegung um 70 mm, 19-Zoll-Felgen, Chiptuning oder Kompressor-Umbauten – kaum ein Kompakter wird so intensiv modifiziert.
Beliebte Tuning-Maßnahmen:
- ST- oder RS-Front- und Heckumbau (auch für Normalmodelle)
- Mountune-, Wolf- oder Dreamscience-Chiptuning (bis 400+ PS beim RS möglich)
- KW Gewindefahrwerke Variante 3
- Milltek oder Remus Sportauspuffanlagen
- Recaro-Schalensitze aus dem RS nachrüsten
Ersatzteile und Wertstabilität 2025
Gute Nachrichten: Ersatzteile für den Ford Focus Mk2 sind günstig und überall verfügbar – von Original-Ford bis No-Name. Selbst RS-Teile gibt es noch neu oder gebraucht. Auf Mobile.de und eBay-Kleinanzeigen finden sich täglich hunderte Angebote zwischen 2.000 € (hohe Laufleistung) und 35.000+ € (top gepflegter RS).
Fazit
Ja, der Ford Focus Mk2 ist inzwischen ein Gebrauchtwagen-Klassiker in spe. Und genau das macht ihn so sympathisch: Er bietet modernes Design, erstklassige Fahrdynamik, riesige Motorenvielfalt und eine aktive Community – zu Preisen, die lachhaft günstig sind. Wer ein Auto sucht, das Spaß macht, ohne gleich 50.000 € zu kosten, kommt am Ford Focus Mk2 kaum vorbei. Ob als sparsamer Diesel-Pendler, praktischer Kombi oder als brutaler RS – dieser Ford hat einfach Charakter. Und Charakter altert bekanntlich nicht.
FAQs
1. Lohnt sich ein Ford Focus Mk2 noch 2025?
Absolut! Bei guter Pflege und regelmäßiger Wartung hält er locker noch 10–15 Jahre. Ersatzteile sind billig, Werkstätten kennen ihn in- und auswendig.
2. Welcher Motor ist der beste im Focus Mk2?
Kommt darauf an: Für Sparfüchse der 1.6 TDCi 109 PS (ab 2008 mit DPF), für Fahrspaß der 2.0 Duratec Benziner oder natürlich der 2.5 Turbo im ST/RS.
3. Wie viel Rost ist normal?
Leichter Oberflächenrost an den Radläufen ist üblich, Durchrostungen sollten aber nicht sein – besonders bei Fahrzeugen ab Facelift 2008 deutlich besser.
4. Was kostet ein guter Focus ST oder RS heute?
Ein solider ST (2005–2011) liegt bei 9.000–16.000 €, ein wirklich top RS Mk2 kann 30.000–45.000 € erreichen – Tendenz steigend.
5. Gibt es noch werksneue Ersatzteile für den RS?
Ja! Ford Classic führt viele Teile weiter, und Spezialanbieter wie Mountune oder Collins Performance haben fast alles auf Lager.

